Blindfolded

Die Farben sind zurück und meine Fragestellungen sind grundsätzlicher Natur. Rot - Grün - Blau. Die Pixel aus denen sich jedes digitale Bild zusammensetzt. Rot ist Feuer, Grün ist Wald, Blau ist Wasser. Ohnehin bereits reduzierte Bilder werden weiter verdichtet, werden so lange dekonstruiert bis 9 reine Farben verbleiben.

Machen Sie wirklich das Bild aus? Soll ich den Farbenlehren von Goethe bis Itten folgen oder doch lieber "mein eigenes Farb-Ding" machen? Wozu überhaupt diese Fragen? Wegen dem Mensch-Sein womöglich. Wegen der vielen Realitäten. Wir sitzen alle im selben Kino aber jeder sieht seinen eigenen Film.

L’essentiel est invisible ...

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Antoine de Saint-Exupery

Werden die isolierten Farben, die Pixel noch weiter aufgelöst, dann überschreiten wird die Grenze von der Physik zum Affekt. Der künstlerische Prozess endet dann nicht mehr mit der Rezeption der ausgestellten Werke, sondern mit dem Aussprechen, dem Formulieren des dabei Empfundenen. Bei Tatorte Kunst 2018 wünsche ich mir deshalb Worte der Gefühle von Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung:

Was einzelne Farben für sie bedeuten, welche Farben ihnen Freude machen, welche Unwohlsein, welche Beides, welche keines von Beidem, nichts von alledem und auch das nicht *

Um besser zu sehen, werde ich diese Gespräche mit verbundenen Augen führen.

 

* Das Konzept des Tetralemma stammt aus dem Mahayana-Buddhismus. Dessen Logik wurde von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer für Strukturaufstellungen in Coaching und Therapie adaptiert.

Jochen Schnepf ist ausgebildet in experimenteller systemischer Aufstellungsarbeit nach Beate Kuby und in spirituell-systemischer Psychotherapie. Die intensiven Selbsterfahrungen in den mehrjährigen Ausbildungen haben ihn neugierig gemacht auf persönliche zwischenmenschliche Begegnung. Die dabei erlernte Selbstfürsorge vermittelt er in eigenen Seminaren und Einzelcoachings.