Tentakel

Hunderte Tentakel, Stachel geformt aus reinem Porzellan, bei 1.200 Grad gebrannt. Eine neue, wenn auch fiktive Spezies. Resistent gegen Säure, Gift und Strahlen. Tödlich | selbst unsterblich | grausam schön.

Was, wenn die Natur die Spielregeln ändert?

Vorschau auf Tatorte Kunst Wiesbaden

 

Sie finden mich gemeinsam mit Nora Katthöfer in der Albrechtstraße 46. Unsere Gastgeber sind Jordanis Pavlidis und Silke Kauer im DORFLADEN. Ein guter Ort.

 

Work in progress

Tatorte Kunst 2019 wird die Anwendung der Pixel auf die Tentakel-Idee. Eine Komposition im Raum, eine Bildsprache mit eigener Grammatik. Ich will die Bilder aus der Begrenztheit ihres Rahmens befreien. Sie sollen atmen, sie sollen fliegen.

Im Frühsommer, mitten im Projekt, hat die Natur die Spielregeln für mich persönlich geändert. Nennen Sie es Zufall, auch wenn es den nicht wirklich gibt. Bei einer Biopsie wurden Krebszellen gefunden. Die Inszenierungen wurden daraufhin härter, direkter, ich fühlte mich bedroht. Ein Stachel im zerstörten Fleisch einer Ratte, Tentakel die aus verbrannter Erde sprießen. Die pure Ambivalenz, der unauflösbare Widerspruch:

Leben | Sterblichkeit | Beides | Keines von Beidem | all dies nicht und selbst das nicht. Das Tetralemma des Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-sein.

Mir hilft es, eine Beziehung aufzubauen. Mit den Tentakeln als Symbol. Die haben inzwischen - wenn auch diffus - ein Bewusstsein. Sind sie am Ende wohlwollend? Eine Sichtweise von vielen, so legitim wie alle anderen auch. "Krebs ist das Streben des Körpers nach Unsterblichkeit". Gut gemeint, auch wenn es misslingt.

Der Ausstellungsraum als Ganzheit wird zu einer 360-Grad-Sicht, zu einer Meditation. Hier ein Gedanke, da ein Gefühl, dort ein Aspekt. Nie alles zeitgleich erfassbar und alles zusammen ist das Bild.